Schattenpoker 🔒

In dich versunken stehst du da. Ich setze mich auf den schwarzen Sessel und genieße den Anblick. Deine Hände habe ich an der Stange über dem Kopf mit diesen netten Hängemanschetten fixiert. Deine Zehenspitzen berühren den Boden, dein Körper ist gestreckt und präsentiert mir seine Rundungen. Deine Hüften, die sich zu einer schmalen Taille verjüngen. Deine wunderbaren Brüste. Brüste, die ich zuvor mit einem schwarzen Seil abgebunden habe, und die sich mir abstrus entgegenstrecken. In Ruhe beobachte ich dich. Mit kleinen Bewegungen justierst du immer wieder deine Position, suchst nach sicherem Stand. Du weißt, dass ich dich betrachte, weißt, dass ich diesen Anblick liebe. Dein Blick auf mich wird von einer ledernen Augenmaske unterbunden.

Ich werde dir gleich wehtun. Nicht, um zu strafen. Ich will dich leiden lassen, weil ich Lust darauf habe. Nur deshalb. Du hast mir einmal gesagt, dass du es liebst, nie zu wissen, was dich bei mir erwartet. Wenn du zu mir kommst, musst du nichts planen. Du musst nichts vorbereiten. Du musst nur bei mir erscheinen und dich in meine Hände begeben. Du musst nichts tun, außer ich befehle es dir. Du musst einfach nur sein.

Ich erhebe mich aus dem Sessel. Du hörst das, spannst dich ganz leicht an. Ich greife in das Regal, wähle eine dieser fiesen kleinen Schraubklemmen. Langsam trete ich auf dich zu. Mit meiner freien Hand berühre ich dich sacht am Kinn, lasse meine Finger deinen Hals hinabfahren, deine Seite, deine Taille, dein Hinterteil.

Achtung, der folgende Text ist aus Jugendschutzgründen ausschließlich zwischen 23 und 5 Uhr zu sehen. (Zurück zur Übersicht)

Dann greife ich zu deiner rechten Brust. Grob knete ich sie und führe den Nippel zu meinem Mund, sauge daran, bis er hart und groß an meiner Zunge schabt. Als ich die kleine Zwinge an deinem Nippel ansetze und die Schrauben festdrehe, atmest du scharf ein. Das ist unangenehm, nicht wahr? Eine halbe Umdrehung geht noch. Ich greife auf dem Regal die zweite Klemme. Du weißt das und lässt es über dich ergehen, dass auch der anderen Brust die gleiche Behandlung zuteil wird. Hübsch sieht das aus. Ich drücke mich an dich, lasse dich wissen, dass dein Anblick meine Körpermitte nicht kaltlässt. Meine rechte Hand gibt dir Halt, während die Finger meiner linken Hand den Weg in deine Mitte finden. Sie stoßen auf Feuchtigkeit. Nichts anderes habe ich erwartet, aber es ist immer wieder schön, diese kleine Rückversicherung zu erhalten. Es soll uns doch schließlich beiden Spaß machen.

Ich trete einen Schritt zurück, betrachte den leicht veränderten Anblick. Wieder justierst du dein Gleichgewicht aus. Ich glaube, ich muss dir da ein wenig zusätzlichen Halt geben. Ich nehme ein weiteres Seil, wickle es auf und zwinge es doppelt gelegt unter das Seil, das deine rechte Brust einwickelt. Mit der entstandenen Schlaufe fixiere ich das Seil. Genauso verfahre ich an der anderen Brust. Von jeder Brust hängen jetzt zwei lange Seilenden, die ich über die Stange werfe, an der schon deine Hände fixiert sind. Langsam ziehe ich an den Seilen. Deine Brüste werden nach oben gezogen. Du atmest tief ein. Na, meine Hübsche, gefällt dir, was ich da mit dir mache? Es sieht jedenfalls geil aus, aber das sage ich dir nicht, denn ich möchte nicht die Magie des Augenblicks zerstören. Mit raschen Handgriffen fixiere ich die Seilenden an der Stange. Bin ich pervers? Oh ja, und zwar wahnsinnig gerne. Ein erneuter Griff zwischen deine Beine. Du läufst aus.

Ein suchender Blick in das Regal eröffnet mir weitere Möglichkeiten. Heute will ich viele davon nutzen. Deine Nässe lässt einen Dildo leicht in dich gleiten. Noch ist er klein, bis ich zu pumpen beginne und dich langsam ausfülle, dich dehne, bis du stöhnst. Ich mache dennoch weiter, du wirst dich daran gewöhnen, meine Schöne. Ich ziehe die hohle Nadel aus dem Ventil. Praktisch ist dieses Teil. Nichts hängt nach unten und hindert den Zugriff. Wieder ein Griff in das Regal. Im Laufe der Zeit hat sich so viel schönes Equipment angesammelt, es wäre doch eine Schande, es nicht zu nutzen. Kurze Zeit später zieren weitere Klammern deine Schamlippen. Inklusive derjenigen mit dem herrlich schweren Gewicht.

Wieder trete ich zurück und betrachte mein Werk. Da du mir gerade nicht behilflich sein kannst, muss ich auf Handarbeit zurückgreifen. Nur wenig Erleichterung verschafft mir meine eigene Berührung, aber es nimmt etwas vom Druck. Du kämpfst bereits, meine Hübsche. Habe Geduld, denn ich bin noch lange nicht fertig mit dir. Dein Leiden hat gerade erst angefangen. Ich umschlinge dich mit meinem linken Arm, lege meinen Zeigefinger in deinen Nacken am Haaransatz. Leicht nickst du. Es ist alles in Ordnung, sagst du mir damit.

Ich schlage zu, haue mit voller Wucht meine andere Hand auf deinen Arsch. Du schnappst nach Luft. Ich gebe dir die Zeit, diesen ersten Schmerz zu verarbeiten, ehe ich in rascher Abfolge weitere Schläge auf dein Hinterteil niedersausen lasse. Ich weiß, der Anfang fällt dir immer schwer. Ich pendle mich auf einen langsameren, aber beständigen Rhythmus ein, bis mir Hitze von deinem Po entgegenkommt und meine Hand zu schmerzen beginnt. Wer sagt, dass hier nur eine Person leidet? Es wird Zeit, das Werkzeug zu wechseln. Ich greife zum Lederpaddle und führe mein Werk fort. Dabei versuche ich, das Level auf einem schmalen Grat zu halten. Noch soll es nicht zu viel werden, aber dich beständig weitertreiben.

Als du zu unruhig wirst, gönne ich uns eine kleine Pause. Ich lege das Paddle zur Seite, lege meine rechte Hand auf deine Scham, reibe über deinen Kitzler. Du drängst dich mir entgegen, reibst dich an meiner Hand. Die Klammern klimpern.

Wieder lege ich meinen Finger in deinen Nacken. Dieses Mal kommt kein Nicken. Stattdessen leckst du dir über die Lippen, möchtest sprechen, suchst aber noch nach den richtigen Worten.

»Kann ich bitte etwas trinken, mein Herr?«

Kommentarlos gehe ich zur Kommode und nehme das bereitgestellte Glas Wasser, halte es dir an die Lippen, lasse dich ein paar Schluck trinken.

»Genug?«, raune ich dir zu.

»Ja, danke, Herr«, antwortest du brav.

»Bist du okay?«, versichere ich mich.

»Ja, Herr.«

Ich nehme selbst einen kleinen Schluck und stelle das Glas zurück an seinen Platz. Um dich wieder in die Spur zu bringen, küsse ich dich hart, wohl wissend, dass deine gequälten Nippel dabei an meinem Oberkörper reiben. Du stöhnst in meinen Mund hinein. Meine Hände fahren deine Konturen ab, gleiten über deine Arschbacken. Sie sind heiß und bereit für mehr. Ich gehe zu der Wand, an der ich einige Haken angebracht habe und an der sauber aufgereiht ein ganzes Potpourri an Schlagwerkzeugen hängt. Kurz schwanke ich zwischen der Gerte und dem Stock. Heute will ich Spuren an dir, deshalb greife ich zum Stock. Mit kurzen, raschen, aber leichten Schlägen stimme ich dich auf das neue Gerät ein, bis ich einen einzelnen präzisen Hieb über deine Arschbacken platziere, der dir zum ersten Mal einen kleinen Schrei entlockt. Ich mache weiter, Hieb um Hieb. Ich zähle nicht mit. Darauf kommt es mir nicht an. Ich will dich an einen bestimmten Punkt bringen. Du beginnst zu jammern, versuchst vergeblich, ausweichen zu wollen. Ich schone dich nicht. Gelegentlich unterbreche ich und streiche über deine geschundene Rückansicht. Erste blaurote Striemen sind zu sehen. Diese herrlichen Doppelabdrücke, wie sie nur der Stock hervorruft. Aber ich habe noch nicht genug. Und du auch nicht.

Wieder schlage ich zu. Immer fester. Und da höre ich es. Du schreist. Nicht nur aus Schmerz, sondern vor Lust. Genau dort möchte ich dich haben, meine Liebe. Mit gleicher Intensität mache ich weiter. Unter deine Schreie mischt sich hörbar ein einzelnes Wort. »Ja!«

Ja, du willst es genau so. Als aus dem »Ja!« ein »Mehr!« wird, muss ich schmunzeln. Meine kleine Masochistin ist zum Vorschein gekommen. Ich weiß, dass ich jetzt entscheiden muss, wann es genug ist. Du bist ab jetzt nicht mehr fähig, deine eigenen Grenzen zu erkennen. Ich konzentriere mich heute nur auf deine Sitzfläche, denn alles andere würde dich aus deinem Fluss hinausreißen. Dein Hinterteil ist übersät von Striemen. Du wirst noch viele Tage die Erinnerung an diesen Nachmittag behalten.

»Spuren sind kein Problem.« So hast du es mir gesagt, als wir uns kennenlernten und Grenzen absteckten. »Mein Mann hat mich schon lange nicht mehr unbekleidet gesehen.«

Welch Glück für mich, für dich, für uns. Welch Pech für deinen Mann, der nicht ahnt, welche Leidenschaft in seiner Frau wohnt, und damit auch nichts anzufangen wüsste.

Ich schenke dir noch ein paar Hiebe. Du quittierst sie mit purer Lust. Ich werfe den Stock achtlos zur Seite. Wieder reibe ich über deine Klit und du stöhnst nicht nur, sondern brüllst beinahe. Ich nutze die Gelegenheit und löse in rascher Abfolge die Klammern an deinen Schamlippen, was dich mit zusätzlichem Schmerz überschwemmt. Dein ganzer Körper vibriert. Ich reibe weiter, bis ich dich damit über die Klippe stoße, bis du unter meiner Hand kommst. Schwer atmend hängst du in den Seilen.

Schnell löse ich die Fesselung um deine Brüste und Hände, und lasse dich zu Boden gleiten. Keuchend kniest du vor mir.

Doch ich lasse dich nicht zur Ruhe kommen, sondern zerre dich grob nach vorn, setze mich wieder auf den Sessel und drücke deinen Kopf auf meine Körpermitte. Willig öffnest du deinen Mund und lässt mich in dich gleiten. Deine warme, feuchte Mundhöhle umfängt mich, deine Lippen üben sanften Druck aus, deine Zunge spielt mit meiner Eichel. Ich knurre, greife dich am Hinterkopf und presse dich hinab, bis ich tief in deine Kehle gleite. Als ich merke, dass du zu würgen beginnst, reiße ich dich wieder hoch. Du schnappst nach Luft und atmest heftig. Schnell nutze ich die Gelegenheit und löse die Schrauben an den Nippelklemmen. Als ich sie fast gleichzeitig entferne, jaulst du schmerzerfüllt auf und ich drücke dich erneut auf mein Glied.

»Bring es zu Ende!«, befehle ich dir, und du schenkst mir all deine aufgestaute Energie und schickst mich in den siebten Himmel. Hingebungsvoll widmest du dich meiner Erregung, findest deinen Rhythmus, nimmst zusätzlich deine Hände zur Hilfe, bis ich mich mit einem kleinen Aufschrei in dir entlade und du alles schluckst.

Keuchend kauerst du zwischen meinen Beinen und ich löse an deinem Hinterkopf die Augenbinde. Als du den Blick hebst und ich in deine faszinierenden, mit blauen Sprenkeln versehenen hellgrauen Augen versinke, verspüre ich Ehrfurcht, dich unter mir leiden lassen zu dürfen. Du siehst geschafft aus. Tränen haben dein Make-up verwischt, was dir ein sehr verruchtes Aussehen verleiht. Aber du lächelst mich an. Ich ziehe dich hoch zu mir, nehme dich fest in die Arme und vergrabe mein Gesicht in deinem Haar. Ich wiege dich, bis sich dein Atem und dein ganzer Körper beruhigen.

»Geht es dir gut?«, flüstere ich.

Du lachst leise. »Irgendwie schon.«

»Ich wollte, dass du heute Abend ein kleines Souvenir von mir mitnimmst. Wann musst du los?«

»So gegen 17 Uhr.«

»Dann gehe jetzt duschen. Du hast noch eine Stunde Zeit, wieder im Hier und Jetzt anzukommen.«

Du seufzt.

»Na los, sonst wird es zu knapp und ich weiß, wie sehr du das hasst.«

Zögerlich löst du dich von mir.

Ich helfe dir auf die Beine und kann es mir nicht verkneifen, über deinen Arsch zu streicheln. Du atmest scharf ein.

»Musst du heute Abend lange sitzen?«, frage ich lachend.

»Es ist ein Stehempfang.«

»Wie schade, finde ich. Spreize deine Beine. Schaffst du es, den Dildo herauszupressen?«

Du spannst dich an, presst. Ich helfe ein wenig mit meiner Hand nach, bis der aufgepumpte Gegenstand aus dir hinausflutscht.

»Wow«, kommentierst du den Anblick, als du die Größe siehst.

»Ja, da passt ordentlich etwas in dich hinein. Daran sollten wir bei Gelegenheit weiterarbeiten. Aber jetzt ab mit dir nach oben ins Bad.«

Ich sehe, dass es dir schwerfällt, so schnell aus der Situation herauszufinden, aber es muss sein.

Ich blicke mich in dem Kellerraum um, den ich vor ein paar Jahren eingerichtet und seitdem immer weiter ausgestattet und optimiert habe. Ich werde später aufräumen, wenn du fort bist. Wer weiß, wann wir das nächste Mal hier sein werden, wann du das nächste Mal ein Zeitfenster für uns freischaufeln kannst. Ich lösche das Licht und schließe die Tür von außen. Vielleicht ist es der Moment, an dem ich beschließe, dass sich etwas ändern muss. Es reicht mir nicht mehr, alle paar Wochen auf Abruf für dich bereitzustehen. Es reicht mir nicht mehr, jedes Mal nur ein paar Stunden oder noch weniger Zeit zur Verfügung zu haben. Wir harmonieren nahezu perfekt in diesem Raum. Ich will mehr.

Ich gehe nach oben, werfe die Kaffeemaschine an und mache dir ein Sandwich. Ich kenne dich. Du hast danach immer Hunger. Stehempfang klingt nach kleinen Häppchen. Das wird dir nicht reichen.

Nach einer Weile kommst du aus dem Bad. Perfekt für den Empfang gestylt. Ein kleines, hochgeschlossenes Schwarzes, das perfekt deine Figur in Szene setzt. Schuhe, die einerseits sexy sind, aber dennoch Absätze haben, die du auch über mehrere Stunden im Stehen ertragen kannst. Dezenter Schmuck und Make-Up.

Ich schiebe dir das Sandwich und eine Tasse Kaffee hin. Du nimmst auf einem der Barhocker am Küchentresen Platz und zuckst ein wenig zusammen, als du dich niederlässt. Ich schmunzle. So wollte ich das.

»Deine Sandwiches sind immer klasse. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr mir diese Lachshäppchen auf den Empfängen zum Hals heraushängen«, lobst du mich kauend.

»Du weißt, dass ich dich trotzdem liebend gerne zu diesen Empfängen begleiten würde.« Ich mustere dich und sehe, wie sich dein Gesicht verschließt. Wie immer, wenn ich dieses Thema anschneide.

»Du weißt, dass es nicht geht.« Deine Stimme klingt tonlos.

»Nein, das weiß ich nicht. Aber lassen wir das, du musst gleich los.«

Du nickst und greifst nach deiner Handtasche. Ich helfe dir in deinen Mantel und ziehe dich nochmals in meine Arme, drücke dir einen Kuss auf deinen Scheitel.

»Es liegt nur an dir«, raune ich dir zu. »Du musst nur den Mut haben, dein Leben zu ändern.«

Du sagst darauf nichts und wendest dich zur Tür. »Wir schreiben uns«, sagst du zum Abschied.

Als sich die Haustür hinter dir schließt, beginne ich nachzudenken. Ich weiß, dass du nicht den Mut aufbringen wirst. Es ist an mir, die Sache ins Rollen zu bringen.

Poker ist an und für sich ein langweiliges Spiel. Nur der Einsatz und die Einschätzung der Mitspieler machen den Reiz aus. Ich habe beschlossen, den Einsatz in unserem Spiel zu erhöhen. All in. Unsere gesamte Beziehung. Alles oder nichts.

***

Eine Woche später sitze ich am frühen Vormittag im Loungebereich deines Hotels. Ich bin kein Hotelgast, aber das ist auch nicht erforderlich. Ich habe sogar bei einem deiner Mitarbeiter nachgefragt. Das sei kein Problem, meinte er, solange ich die Gastronomie regelmäßig in Anspruch nehme. Neben mir steht ein Kaffee, vor mir mein Laptop. Ich habe W-LAN, ich habe eine Steckdose, ich kann in Ruhe arbeiten. Ich bin damit nicht alleine. Weitere Menschen im Business-Outfit tun es mir gleich. Da auch ich mich heute Morgen in Schale geworfen habe, falle ich nicht auf. Mir gefällt es hier sogar. Wie ein edler Co-Working-Raum. Sei es drum, dass der Kaffee ein wenig teurer ist als andernorts. Ich kann es mir leisten. Ich müsste streng genommen nicht mal mehr arbeiten. Das habe ich in den vergangenen dreißig Jahren mehr als genug. Ich könnte mich zur Ruhe setzen, möchte es aber nicht. Deshalb arbeite ich als freiberuflicher Berater weiter. Bei eigener Zeiteinteilung. Ortsunabhängig. Mehr als praktisch für mein Vorhaben.

Die Rezeption liegt in meinem Blickfeld. Dahinter verbirgt sich dein Büro. Ich brauche nur abzuwarten, bis du dich zum ersten Mal zeigst und mich entdeckst. Das muss nicht heute sein. Ich habe Zeit und ich habe einen Plan.

Das Glück ist mir bereits am ersten Tag hold. Als du an den Empfang gebeten wirst, um irgendeinen wichtigen oder prominenten Gast zu begrüßen, lässt du deine Augen durch die Lobby und die angrenzende Lounge gleiten. Wahrscheinlich tust du das automatisch immer, um zu prüfen, ob alles in Ordnung ist. Dein Blick gleitet auch über mich und du erstarrst einen Herzschlag lang. Du bleibst professionell, wendest dich wieder deinem Gast zu, setzt dein bezauberndes Lächeln auf und tauschst mit ihm Höflichkeiten aus. Deine Worte kann ich nicht verstehen, aber deine Gestik sagt alles. Als du dich wieder in dein Büro verabschiedest, dauert es nicht lange, bis mein Smartphone einen Signalton von sich gibt. Du schreibst im Messenger.

Theresa:

Was machst du bei mir im Hotel?

Marco:

Ich arbeite.

Du antwortest nicht. Wahrscheinlich nimmst du an, ich hätte hier einen Termin. Ich unterstütze diese Annahme, indem ich mich kurze Zeit später verabschiede.

Am nächsten Tag bin ich erneut da. An diesem Tag sehe ich dich nicht.

Am dritten Tag werde ich vom Kellner bereits namentlich begrüßt. Sehr aufmerksam, sich den Namen von meiner Kreditkarte einzuprägen. Kurze Zeit später schaffst du es, mich zu überraschen, als du plötzlich vor mir stehst.

»Was machst du hier?« Deine Stimme ist gesenkt, bedacht, niemanden an unserer Unterhaltung teilhaben zu lassen.

Ich lehne mich lächelnd zurück. »Ich arbeite«, wiederhole ich meine Antwort von vor zwei Tagen.

»Warum hier?« Deine Augen funkeln mich an.

»Setz dich doch zu mir«, fordere ich dich freundlich auf.

Unentschlossen siehst du dich um.

»Setz dich!« Meine Befehlsstimme. Es ist herrlich zu sehen, wie unsicher du auf sie reagierst. Ich bin in deine Welt eingedrungen. Die Welt, in der normalerweise du die Befehle erteilst.

Zögerlich folgst du meiner Anweisung. »Was soll das hier?«

»Hallo Theresa. Schön, dich zu sehen. Wie war dein Tag?« Eisig blicke ich dich an, um dir klarzumachen, dass du mich nicht mal begrüßt hast.

Betroffenheit und Wut wechseln sich auf deinem Gesicht ab. »Hallo Marco.«

»Marco?« Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

Du seufzt, blickst dich um. »Hallo, mein Herr.« So leise, dass ich es kaum hören kann.

Nochmals blickst du dich um. »Bitte, nicht hier!«

Ich überschlage meine Beine und lege die Fingerspitzen meiner Hände aneinander. »Hast du eine Vermutung, warum ich hier sein könnte? Und bitte bewahre Contenance. Lächle. Der Kellner, im Übrigen ein sehr aufmerksamer und netter Mitarbeiter, hat dich gerade bei mir entdeckt.«

Ohne zu ihm zu sehen, nimmst du eine gerade Haltung ein und setzt ein Lächeln auf.

»So ist es besser«, lobe ich dich. »Also, warum könnte ich hier sein?«

»Ich habe nicht die geringste Ahnung.« Du lächelst mich bezaubernd und falsch an.

»Ich werde es dir gern mitteilen, aber nicht hier. Das dürfte ganz in deinem Sinne sein, nicht wahr?«

Du nickst.

»Also, wann hast du das nächste Mal Zeit, zu mir zu kommen? Bisher hast du dich dahingehend leider noch nicht wieder bei mir gemeldet.«

In deinen Augen sehe ich, dass du eine leichte Ahnung bekommst. Du weißt nicht, dass die Wahrheit noch über deine Ahnung hinausgeht.

»Ich …« Wieder blickst du dich nervös um, als stünde plötzlich deine ganze Belegschaft im Halbkreis um uns. »Ich muss in meinem Terminkalender nachsehen.«

»Das solltest du tun. Jetzt.«

Da du nichts bei dir trägst, wirst du dafür in dein Büro gehen müssen.

»Ich warte hier. Und ich erwarte einen Termin innerhalb der nächsten Tage.« Eindringlich sehe ich dich an.

Du öffnest den Mund, um etwas zu sagen, schließt ihn wieder. Du atmest tief durch. »Ja, Herr.« Erneut ein Flüstern.

»Na los!« Ich lächle dich gleichfalls an.

Du erhebst dich und ich verfolge dich mit Blicken. Schicker Hosenanzug, den du da trägst.

»Sie sind mit Frau Reinhard bekannt?« Der aufmerksame Kellner stellt meine leere Kaffeetasse auf ein Tablett.

»Ja, wir kennen uns ganz gut. Bringen Sie mir doch bitte noch ein Mineralwasser.«

»Sehr wohl.«

Ich lehne mich zufrieden zurück und warte auf dein erneutes Erscheinen. Stattdessen verkündet mein Smartphone eine eingehende Nachricht.

Theresa:

Am Dienstagabend gegen 19 Uhr?

Ich seufze.

Marco:

Bewege deinen fantastischen Hintern in meine Richtung, setze dich zu mir und unterbreite mir nochmals deinen Vorschlag.

Ich sehe dich freundlich an, als du kurze Zeit später wieder zu mir kommst. Deine Augen sprühen Funken. Als du bei mir ankommst, besinnst du dich jedoch, atmest einmal tief durch, setzt dich zu mir.

»Passt es dir am Dienstag ab 19 Uhr? Ich könnte den ganzen Abend bei dir verbringen.«

Ich ziehe die Augenbrauen hoch, reagiere nicht.

Du blickst dich erneut nervös um. »Passt dir das, mein Herr?«

Ein ganzer Abend mit dir gefällt mir. Weniger gefällt mir, dass heute erst Donnerstag ist. »Warum nicht schon früher? Hast du keinen anderen Termin gefunden?«

»Heute ist es zu kurzfristig, ich habe noch tausend Dinge zu erledigen. Morgen habe ich im Hotel-Restaurant ein Geschäftsessen am Abend. Das Wochenende ist komplett mit der Hochzeit einer Cousine meines Mannes verplant, da werde ich in Hamburg sein. Und am Montag habe ich immer Yoga.«

»Yoga ist also wichtiger als ich?« Ich lege meinen Kopf schief.

»Natürlich nicht«, beschwichtigst du eilig. »Es ist nur der einzige fixe Termin, den ich jede Woche habe und der mir guttut. Aber wenn du es wünschst, dann …«

Ich hebe besänftigend die Hand. »Schon gut, dann eben Dienstag. Ich erwarte dich pünktlich um 19 Uhr bei mir. Du darfst jetzt gehen.«

»Danke, mein Herr.«

Du kannst so brav sein, wenn du willst. Ich blicke dir lächelnd hinterher, bis du in deinem Büro verschwunden bist. Dann winke ich dem Kellner, ich habe da ein Anliegen.

Wenn man beim Pokerspiel kein gutes Blatt hat, kann man aufgeben oder aber bluffen. Es liegt nicht in meiner Art, aufzugeben. Da du ein aufmerksamer Mensch bist, vor allem, wenn du dich in deinem Hotel befindest, kannst du beobachten, wie ich die bezaubernde Blondine an meiner Seite zu unserem Tisch geleite. Unser Tisch ist ideal. Direkt in deiner Blickrichtung, aber außerhalb deiner Hörweite. Das kleine Trinkgeld hat sich gelohnt. Deine Miene friert ein, als ich meine Hand auf die Taille der Frau lege und sie zu ihrem Stuhl lotse. Ich platziere sie so, dass ich von meinem Platz eine ausgezeichnete Sicht auf dich habe. Es ist bewundernswert, wie du die Contenance bewahrst und dich wieder deinen asiatischen Gästen widmest. Es muss wichtig sein. Ich wiederum widme mich meiner Begleitung und habe einen wunderbaren Abend. Wir unterhalten uns bestens und lachen viel. Ich lasse sie sogar von meinem Teller probieren, und ganz natürlich steckt sie mir ihrerseits ein Häppchen ihres Gerichts mit der Gabel in meinen Mund. Besser geht es nicht. Du verlässt mit deiner Gruppe vor uns das zum Hotel gehörende Lokal. Ich blicke dir hinterher.

»Kennst du sie?« Meine Schwester hat meine Blicke verfolgt.

»Ja, recht gut sogar. Aber jetzt erzähle mir noch, welche Zukunftspläne deine Tochter verfolgt.«

Es ist Dienstag und du klingelst fünf Minuten zu früh. Kurz überlege ich, dich warten zu lassen, beschließe aber, dass dies albern ist. Ich mustere dich, als ich dich hereinbitte. Du mich auch. Deine Miene ist ernst. Das wird jetzt schwierig. Die Chance, heute Zeit mit dir im Keller zu verbringen, schätze ich nicht allzu hoch ein, auch wenn ich das sehr bedaure. Wortlos bitte ich dich ins Wohnzimmer, lasse dich aufs Sofa setzen und drücke dir ungefragt ein Glas Rotwein in die Hand. Du stellst es auf den Tisch vor dir, ohne daraus zu trinken. Ich setze mich dir gegenüber auf den Sessel, halte mein Glas an die Nase und lasse das Aroma auf mich wirken, ehe ich einen kleinen Schluck nehme.

Du sitzt kerzengerade, musterst mich. »Du willst mich erpressen?«, eröffnest du das Gespräch.

Ich schmunzle. »Erpressen? Das ist aber ein hartes Wort. Ich würde es eher als Lenkung bezeichnen.«

Du schnaubst. »Jedenfalls geht das so nicht. Das war so nie zwischen uns vereinbart. Du kannst dich nicht in mein Alltagsleben einmischen. Und dann noch dieser Versuch, mich eifersüchtig zu machen. Meinst du ernsthaft, darauf falle ich herein?«

Ich nicke, als würde ich dich verstehen. Langsam stelle auch ich mein Glas auf den Tisch ab. »Du weißt, dass ich mehr möchte.«

Ernst blickst du mich an. »Ich kann dir aber nicht mehr geben.«

Dieser Tisch zwischen uns stört mich. Ich erhebe mich und setze mich neben dich, ergreife deine Hände, schaffe Augenhöhe. Im Moment geht es nicht anders. »Kannst du mir nicht mehr geben – oder willst du es nicht? Überlege dir deine Antwort gut. Ist es nicht nur Angst vor dem Ungewissen, was dich daran hindert, etwas zu ändern? Oder gar Bequemlichkeit?«

Du holst Luft und willst zu einer Erwiderung ansetzen, aber ich lege dir einen Finger auf den Mund. »Sag jetzt nichts. Ich kenne alle deine Argumente und ich habe sie wiederholt widerlegt. Ja, dein Mann stammt aus einer reichen Hoteldynastie, aber du arbeitest nicht in einem Hotel seiner Eltern. Deine Karriere steht mittlerweile auf so festen Füßen, dass du das überstehst. Und dein Sohn ist 17 Jahre alt! Er braucht kein pseudoheiles Elternhaus mehr. Glaubst du, er merkt nicht, dass ihr nur noch nebeneinanderherlebt? Es kann sein, dass ich in deinen Augen nicht der Richtige bin, um diesen Schritt zu gehen. Damit müsste ich leben.«

Unbewusst schüttelst du leicht den Kopf, was mich mit einem Schwall unerwarteter Zärtlichkeit durchflutet. Dennoch fahre ich mit meinem Plan fort. »Aber ich kann nicht länger mit unserem Status quo leben, verstehst du mich?«

Flüssigkeit tritt in deine Augen. »Und was bedeutet das?«

»Ich kann mich aus deinem Leben fernhalten. Ich werde nicht mehr bei dir im Hotel oder an anderen Orten deines Alltagslebens auftauchen. Aber ich stehe dir auch nicht mehr hier zur Verfügung.«

»Du willst mich ganz oder gar nicht?«

»Genau.«

»Ich nenne das noch immer eine Erpressung.«

»Wenn du es so nennen möchtest. Ich nenne es Selbstschutz.«

»Ich will dich nicht verlieren!« Eine einzelne Träne rinnt deine Wange hinab.

»Es liegt in deiner Hand.« Sanft streiche ich dir eine Haarsträhne hinter das Ohr.

Mit einer unwirschen Bewegung schüttelst du mich ab. »Ich will mich nicht erpressen lassen!«

Ich seufze. »Theresa. Das ist es wirklich nicht. Ich kann und will nur nicht so weitermachen wie bisher. Ich will eine Beziehung mit dir! Mit all unseren Facetten! Du bist so stark und das bewundere ich an dir. Aber bei mir darfst du auch schwach sein und ich fange dich auf. Lass mich dein Fels in der Brandung sein, und wir werden etwas Einzigartiges leben können. All die Schwierigkeiten bis dorthin werden wir gemeinsam meistern.«

Du streichst deinen Rock glatt und erhebst dich. »Vielleicht hast du recht, aber ich lasse mich nicht unter Druck setzen.«

Du willst gehen und ich werde dich nicht aufhalten. »Denke über alles nach und dann entscheide dich.« Mein gesamter Einsatz liegt auf dem Tisch. Jetzt liegt es an dir.

Drei Monate später muss ich mir eingestehen, dieses Pokerspiel verloren zu haben. Ich habe mein Versprechen gehalten und bin aus deinem Leben verschwunden. Du leider gleichfalls aus dem meinen. Eine Entscheidung hast du mir nicht mitgeteilt, aber ich rechne nicht mehr damit, obwohl mich das wundert. Du bist eine Frau der klaren Worte. Ja, du fehlst mir. Mir fehlt unser Miteinander, bei dem wir so perfekt harmonierten. Mir fehlen unsere Unterhaltungen, deine so oft treffenden Kommentare. Mich haben immer diese Gegensätze an dir fasziniert. So stark im Leben, und doch so anschmiegsam und ergeben bei mir. Du hast ein Loch in meinem Leben hinterlassen. Mein Herz weint.

Ist es noch zu früh, neues Glück zu suchen? Oder wenigstens ein bisschen Ablenkung? Ich rede mir ein, dass ich mich für den heutigen Abend nur habe überreden lassen. Ich begleite ein befreundetes Paar, um eine Fantasie der beiden zu erfüllen. Maja möchte einen Abend lang zwei Herren dienen. Das kann sie selbstverständlich haben, auch wenn es sich für mich bitter anfühlt. Auf das Event wäre ich so gern mit dir gegangen. Vergleichbares gibt es nicht oft. Ein ganz besonderer Maskenball. Edles Ambiente, gediegenes Publikum, Macht und Unterwerfung auf niveauvolle Art. Ich habe mich in Schale geworfen. Anzug, Krawatte, eine schlichte schwarze Maske mit Augenschlitzen, die nur meinen Mund und mein Kinn unbedeckt lässt. Mein Freund Ameth trägt die gleiche, damit wir als zusammengehörig zu erkennen sind. Maja ist in ein nachtblaues Abendkleid gehüllt, das gleichzeitig alles verbirgt und alles zeigt. Wir sind ein hübsches Dreigespann. Maja wird zwischen uns an zwei glitzernden Leinen geführt. Wir ernten Blicke und ich weiß, dass unser freiwilliges Opfer jeden einzelnen davon genießt. Sie steht gern im Mittelpunkt und Ameth hat kein Problem damit. Ganz im Gegenteil.

Normalerweise bin ich kein Freund öffentlicher Spiele, aber ich lasse mich von den beiden mitreißen. Wir beginnen den Abend auf zwei gemütlichen Chesterfield-Sesseln und mit einem Whisky, während Maja zwischen uns auf einem Kissen kniet.

Mir gefällt diese Mischung aus Gediegenheit und Frivolität, die hier herrscht. Stimmungsvolle Loungemusik untermalt die Szenerie. Viele Paare und Gruppen lassen sich gleichfalls an den zahlreichen Sitzgruppen nieder, unterhalten sich leise und betrachten die Garderobe der Neuankömmlinge. Vor allem die der Frauen. Nach und nach begeben sich einige Paare in einen der angrenzenden Räume. Ameth und ich verständigen uns mit einem Blick. Gleichzeitig stehen wir auf und ziehen Maja an ihren Leinen hoch. Erschrocken kommt sie unserer stummen Aufforderung nach, war sie doch in der Betrachtung einer Gruppe Frauen versunken, die alle in eng geschnürten Seidenkorsetts in unterschiedlichen Farben gekleidet sind.

»Es ist Zeit, meine Liebe«, bestimmt Ameth.

Maja nickt, senkt ihren Kopf, und eine sanfte Röte überzieht ihr Gesicht.

Ich muss lächeln. Es fällt ihr schwer, ihren Wunsch in die Tat umzusetzen. Aber jetzt ist es zu spät. Sie atmet einmal tief durch und setzt sich in Bewegung. Kein Zug an den Leinen ist notwendig.

In den Nachbarräumen findet der unerschrockene Sadist alles, was das Herz begehrt. Vor allem zahlreiche Fixierungsmöglichkeiten. Auf einem der zahlreichen Böcke schnallen wir die entblößte Maja fest. Ameths und mein Spiel beginnt und wir versinken alle drei darin, bis ihr Hinterteil, ihr Rücken und ihre Brüste von Striemen übersät sind. Die beiden mögen es härter, als das bei mir normalerweise der Fall ist, aber ich lasse mich in mein Handeln hineinfallen. Es ist entspannend, der Erfüllungsgehilfe zu sein, stelle ich fest. Die Verantwortung liegt bei Ameth. Er kennt seine Geliebte sehr viel besser. Als im Anschluss Maja verheult und glücklich in seinen Armen liegt, weiß ich, dass es Zeit ist, mich zurückzuziehen. Ich streichle Maja noch einmal über die Haare. Sie lächelt mich an, unfähig, zu sprechen. Ihr Dankeschön lese ich von ihren Augen ab. Ich wende mich ab und lasse die beiden alleine. Es schmerzt ein wenig, gebe ich zu, aber damit kann ich umgehen.

Ehe ich mich wieder in den Loungebereich begebe, werfe ich einen kurzen Blick über die anderen Spielenden und verharre in meiner Bewegung. Du bist da. Aufgespreizt auf einem Kniebock. Eine Gruppe Männer um dich herum. Du trägst eine schwarze Augenmaske und einen Knebel, aber ich erkenne dich trotzdem. Zu vertraut ist mir dein Körper. Meine innere Ruhe verabschiedet sich in rasender Geschwindigkeit und ich versuche, die Situation zu erfassen. Theresa, mit wem bist du hier und was sollen all diese Männer um dich herum? Ich kenne dich. Ich kenne dich gut. Ich kenne vor allem deine Fantasien und Lüste, und dieses Szenario war nie dabei. Das Bild, das sich mir bietet, passt nicht zu dir. Besorgnis flammt in mir auf. An welchen Typen bist du da nur geraten? Warum lässt du das mit dir machen? Du bist eine starke Frau. Aber eben auch extrem devot, wenn man bei dir die richtigen Knöpfe drückt. Hat das jemand ausgenutzt?

Ich nähere mich der Szenerie. Ein Mann steht näher bei dir als die anderen. Wie alle, trägt auch er eine Maske. Ist er derjenige, der dich in diese Lage gebracht hat? Oder ist es dein Wunsch, was hier geschieht? Zweifel erfüllen mich. Hast du mir doch nicht alles verraten, was in deinem Kopf vorgeht? Oder hat sich dieser Wunsch erst mit dem neuen Typen entwickelt? Auf dessen Nicken, nähern sich dir die Männer. Dir, meiner Theresa! Zu meiner Besorgnis gesellt sich brennende Eifersucht. Nein. Sie dürfen dich nicht anfassen! Doch sie tun es, streicheln über deinen Rücken, über deinen Hintern, deine Brüste.

Ich bin ein friedliebender Mensch, aber jetzt balle ich die Fäuste. Ich würde am liebsten jedem Einzelnen einen Kinnhaken verpassen. Du gehörst verdammt noch mal mir!

Ich darf mich nicht einmischen. Das wäre albern. Du scheinst dich bereiterklärt zu haben, dieses Spiel mitzumachen. Ich sehe nicht viel von deinem Gesicht, aber ich versuche, deine Miene zu interpretieren. Dein Atem geht schnell. Vor Erregung? Vor Angst?

Dein neuer Macker gebietet den Männern mit einer Geste Einhalt. Endlich! Aber was macht er jetzt? Er zückt einen Lippenstift, stellt sich hinter dich und schreibt etwas auf deine beiden Arschbacken. Als er zur Seite tritt und ich lese, was da steht, sehe ich rot und meine damit nicht die Farbe der Schrift.

»Fickt mich!«, steht in großen Lettern auf deinem Hinterteil, und ein Raunen geht durch die umstehenden Männer.

Ich handle, ohne lange nachzudenken. Ich trete auf dich zu und lege meinen Zeigefinger in deinen Nacken. Dein schneller Atem stoppt abrupt, dein Körper versteift sich. Einen Moment hältst du inne und dann gibst du mir das Zeichen, auf das ich gewartet habe. Langsam schüttelst du den Kopf.

Mehr brauche ich nicht zu wissen. »Meine Herren«, wende ich mich an den Kreis, der dich umgibt. Irritiert stutze ich, denn alle Männer haben sich bereits abgewendet und verlassen den Raum. Inklusive deines neuen Kerls. Einer hat sogar einen Vorhang, den ich bisher gar nicht bemerkt habe, zugezogen, sodass wir kaum noch sichtbar sein dürften. Verwirrt wende ich mich wieder dir zu.

»Bist du in Ordnung?«

Du nickst.

Hastig beginne ich, dich vom Knebel und der Augenmaske zu befreien. Dein erster Blick trifft mich bis ins Mark, aber ich kann nicht deuten, was in dir vorgeht. Ich hatte Verzweiflung oder Erleichterung erwartet, aber du siehst mich nur ernst an.

Schnell löse ich alle Schnallen des Bocks, ziehe mein Jackett aus, werfe es dir über und helfe dir, aufzustehen.

Endlich liegst du in meinen Armen. Eng ziehe ich dich an mich, drücke und halte dich, vergrabe meine Nase in deinem Haar und inhaliere deinen so lange vermissten Duft. Zögerlich erwiderst du die Umarmung und seufzt einmal ganz tief.

»Was zum Teufel machst du hier nur?«, raune ich in dein Ohr.

»Das muss sehr unangenehm für dich gewesen sein, mich so zu sehen, oder?«

Mich irritiert die Frage. »Darauf kannst du wetten.«

»Eifersüchtig warst du wohl auch, oder?«

Mir schwant nichts Gutes. Ich löse die Umarmung ein Stück, damit ich dir in die Augen sehen kann. »Ja, darauf kannst du ebenfalls wetten.«

»Gut.«

»Gut?« Ich runzle die Stirn.

»Ja, gut. Dann hat es funktioniert.« Dein Mund verzieht sich zu einem Lächeln.

Ich bemühe meine Hirnwindungen und versuche, aus dem Geschehenen und deiner Reaktion schlau zu werden. »Nein!«, entfährt es mir.

Dein Lächeln wird breiter. »Doch.«

»Das ist nicht dein Ernst!«

»Du hast es doch gesehen.«

Ich lasse dich los und setze mich auf eine der Fußstützen des Bockes. »Du bist verrückt.«

»Nicht verrückter als du.«

»Du hast das alles inszeniert? Ernsthaft?«

»Du weißt, dass ich gut im Organisieren bin.«

»Ja, aber die Kerle haben dich angefasst!«

»Es musste doch echt aussehen.«

»Sie haben dich angefasst!«, wiederhole ich. Kaum zu glauben, wie weit du das Spiel getrieben hast.

»Keine Sorge. Allesamt schwul. Ich habe sie alle vorab kennengelernt.«

Ich schüttle ungläubig den Kopf. »Aber man konnte alles von dir sehen. Alles! Das weißt du schon, oder?«

»Glaube mir, das hat mich auch ziemlich Überwindung gekostet. Die Jungs haben mich aber, so gut es ging, vor Blicken geschützt, bis du kamst.«

»Aber woher wusstest du überhaupt, dass ich heute hier bin?« Ich beantworte mir selbst die Frage. »Maja und Ameth. Diese Verräter.«

Du lächelst. »Nimm es ihnen nicht übel. Sie waren der Ansicht, dass du diese Behandlung verdienst, nachdem ich ihnen erzählt habe, was du mit mir getrieben hast. Geht es deiner Schwester übrigens gut?«

Ich gebe einen knurrenden Laut von mir. Ich bin noch immer fassungslos. Ich hebe den Kopf. Du stehst vor mir. »Und jetzt?«

Dein Lächeln wandelt sich in etwas Warmes. Du überbrückst die kurze Distanz zwischen uns und sinkst anmutig auf die Knie vor mir. »Jetzt gehöre ich wieder dir. Wenn du mich noch willst. Ganz und gar.«

Ich brauche einen Moment, um das Gehörte zu verarbeiten. »Ganz und gar? Hast du dich etwa …«

»… von meinem geliebten Ehemann getrennt?«, ergänzt du meine Frage. »So ist es.«

Ich schließe die Augen. Als ich sie wieder öffne, lege ich dir meine Hand an den Hinterkopf und drücke dich auf meinen Oberschenkel.

»Ich weiß nicht, ob ich mit einer Sklavin zusammensein sollte, die besser bluffen kann als ich.«

»Man wächst an seinen Aufgaben, heißt es doch?« Du kicherst.

»Freches Ding.«

»Dann bestrafe mich doch.«

»Glaube mir, das werde ich. Mit Genuss. Mehrfach.«

Das Pokerspiel habe ich verloren – und doch alles gewonnen.

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